Vogel- und Naturschutz


„Kleine Walfische der Lüfte“ ausgewildert

Konstanz (ufo) ,,Jetzt haben sie es geschafft...“, seufzen Yvonne Büte­horn und Birgit Auer erleichtert, als über dem Konstanzer Flughafen die beiden jungen Mauersegler, die die beiden zwei Wochen lang aufgepäppelt haben, immer ausladendere Kreise ziehen und langsam in der Ferne ver­schwinden.

Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich Yvonne Bütehorn mit wildleben­den Tieren. Vor zehn Jahren hat sie die staatlich anerkannte Einrichtung Bio­-Top e.V. gegründet, eine Schutz- und Arbeitsgemeinschaft, die sich für wildlebende Tiere und deren Lebens­raum einsetzt. Ihr besonderes Fachge­biet ist die Vogelheilkunde.

Immer öfter finden Hausbewohner auf ihrem Dachboden ein aus dem Nest gefallenes Mauerseglerjunge, das sich wegen der kurzen Stummelbeine nur schwerfällig kriechend fortbewegen
kann. ,,Mauersegler sind absolut hilflos, wenn sie sich nicht in der Luft be­finden", sagt Birgit Auer, Mitglied im Naturschutzbund Nabu, der einen Arbeitskreis Mauersegler eingerichtet hat. Sowohl von der Anatomie, als auch vom angeborenen Verhalten her können sie nicht einmal Nahrung oder Wasser aus einem bereitgestellten Schälchen aufnehmen. Mauersegler seien die ,,Kleinen Walfische der Lüf­te", meint Yvonne Bütehorn. So wie den Walfischen im Meer die Fisch­schwärme ins geöffnete Maul schwim­men, so fliegen den Mauerseglern, bei Fluggeschwindigkeiten von etwa 150 Stundenkilometern, Insekten und Re­gentropfen in den weit aufgesperrten Rachen, prallen an den knöchernen Gaumen und werden geschluckt. In der Gefangenschaft wird den zukünftigen „Kleinen Walfischen der Lüfte" die Nahrung mit Einweg-Spritzen in den Rachen gespritzt. Die Speisekarte ist einfach: Tartar, Rührei und Insek­ten werden ergänzt durch flüssige Mi­neralstoff- und Vitaminpräparate. Das Wasser wird den Kleinen seitlich auf den Schnabel getupft und so von ihnen aufgenommen. Yvonne Bütehorn un­tersucht die Findlinge zunächst jedoch auf körperliche Unversehrtheit: ein Gabelbeinbruch, der dem menschlichen Schlüsselbeinbruch entspricht erkennt sie am schiefen Brustbein. Verletzungen der Flügel stellt sie fest indem sie die Flügelspannung prüft und auf mögliche Asymmetrien achtet. Manchmal müssen die Vögel in solchen Fällen eingeschläfert werden. In unklaren Fällen werden die Tiere vom Tierarzt geröntgt. Dann geht das Aufpäppeln langsam ins Geld. Durchschnittlich 70 bis 80 Mark kostet es, einen Mauersegler zwei Wochen lang zu versorgen.

Doch richtig spannend wirds erst danach: Ob es ein Vogel geschafft hat weiß man erst, wenn er davongeflogen ist. ,,Mauersegler können nicht einfach vom Boden auffliegen, wie etwa ein Spatz", so Yvonne Bütehorn, ,,Sie brauchen einen gewissen Aufwind und viel Platz um die ersten Runden zu drehen."

So waren Robert Leitner und sein Kollege Hermann Spradau vom Konstanzer Flughafen sofort bereit, den gesamten Flugverkehr für die Zeit der Auswilderung der beiden, jungen Mauersegler zu unterbrechen. Und sie haben es geschafft: Nach zwei Bauchlandungen ziehen beide Jungvögel in großen Kreisen über den Flughafen davon. Ab jetzt werden sie etwa drei Jah­re lang ununterbrochen in der Luft sein. ,,Sie sind richtige Energiebün­del", sagt Birgit Auer, ,,sie fliegen nach Afrika und schlafen sogar beim Fliegen. "Und wenn sie sich im drei Jahren hier ein eigenes Nest bauen wollen, haben sie - wie ihre Eltern - wegen der vielen Gebäudesanierungen und Dachausbauten Schwierigkeiten, in zu engen Nischen oder auf zu schmalen Mauervorsprüngen ihre Nester anzulegen. Die herausgefallenen Jungen haben Glück, wenn sie von Yvonne Bütehorn oder Birgt Auer aufgepäppelt werden. ,,Dabei wäre es so einfach ,bei Sanierungen, ohne großen Aufwand, den Lebensraum der Mauersegler mit zu berücksichtigen", erklärt Yvonne Bütehorn. Die Wobak habe sich bereits bei der Sanierung ei­nes Hauses in der Spanierstraße kooperativ gezeigt ,,Schön wäre es", meint Yvonne Bütehorn',' ein entsprechendes Konzept in Zusammenarbeit mit den öffentlichen Behörden zu ent­wickeln.“ Vielleicht könne man es den Bauherren schmackhaft machen, ei­nen Ausgleich für die wegsanierten Nistplätze an den Häusern anbringen zu lassen. Die Mittel hierfür könnten teils aus öffentlichen teils aus Ver­eins- und teils aus Spendengeldern aufgebracht werden. Der Bio-Top e.V. wäre bereit, die Nisthilfen anzubringen
Vogelschutz